Wie schnell steigt mein Testballon?

Warum soll ich das überhaupt wissen - brauch' ich das?

Jeder kennt das von großen Wettbewerben: da wird ein Heliumballon losgelassen und eine wichtig aussehende Person verfolgt den Aufstieg des Ballons mit einem auf einem eindrucksvollen Holzstativ befestigten einäugigen Fernglas und gibt an eine Hilfsperson geheimnisvolle Zahlen durch, die diese dann auf einem Klemmbrett in eine Liste einträgt.

Vornehme Leute haben an ihrem Theodoliten (so heißt das einäugige Fernglas auf dem Holzstativ) einen Laptop angeschlossen, der die Zahlen dann gleich speichert, ohne dass der Vermesser sie vorlesen muss. Heraus kommt in jedem Falle ein so genanntes "Windsheet", das den Wettbewerbern sagen soll, in welcher Höhe sie mit welcher Windrichtung rechnen können. Ist der Wind "schiet", wird die Aufgabe gerne von der Wettkampfleitung "gecancelt", also abgesagt. Für Piloten ist der Wind fast immer "shiet", weil er nach deren Meinung gar nicht zur Aufgabe passt und eine nahezu unlösbare Herausforderung darstellt. So ist das mit dem Ballon fahren - wäre Ballon fahren einfach, gäbe es kein Fußball. Jedenfalls versuchen die Piloten das beste draus zu machen: war der Wind gut, werfen sie ihre Marker auf das Zielkreuz, war der Wind schlecht, bewerfen sie die Vermesser, das sind die Leute, die für das Windsheet verantwortlich sind. Deswegen tragen die beim Markereinmessen manchmal Bauhelme.

Testballone: digitale Auswertung

Auch Freizeitballöner nutzen diese Testballone gerne, wobei die Auswertung eher digital ist: Haut es dem Piloten den Ballon waagrecht aus der Hand und bewegt sich der Ballon sehr schnell immer kleiner werdend gen Horizont, wird gleich zum Landefest übergegangen, ohne den Anhänger überhaupt aufgemacht zu haben. Nichts kaputtgemacht, kein Gas verbraucht, richtige Entscheidung. Steigt der Testballon bei sommerlichen Hochdrucklagen senkrecht nach oben, dass sich nach 5-minütigem Beobachten Genickstarre einstellt, kämpfen die Ballonfahrer schwer mit der Entscheidung, eine Stunde Fahrstuhl zu fahren oder sich gleich in den Biergarten zu setzen. Alles dazwischen, also zwischen keinem Wind und viel Wind, ist fahrbares Ballonwetter.

Fortgeschrittene Wochenendballöner peilen den Testballon mit einem Kompass an und verfolgen den Kurs auf der Karte: Ist in Fahrtrichtung landbares Gelände oder Großstadt, Sumpf, Kontrollzone? Vielleicht ist doch noch kurzfristig ein Startplatzwechsel angesagt, bevor die Hülle aus dem Sack gezogen ist? Gerade in schwierigen Gegenden ist ein Testballon unverzichtbar.

Der Testballon kriegt eine verplättet

Was aber, wenn es den Testballon da oben plötzlich nach rechts oder links weg haut? Wäre es nicht gut zu wissen, in welcher Höhe das ist? Sollte der Pilot besser unter dieser ominösen Höhe bleiben oder rechtzeitig ein paar Briketts nachlegen, bevor er durch die Windscherung steigt?

Wenn Sie die Steigrate Ihres Testballons kennen, können Sie die kritische Höhe schnell ermitteln. Wie schnell ein Testballon steigt, ist abhängig von dessen Größe, Form und Gewicht. Fragen Sie mal einen Gasballonpiloten, der kann Ihnen das ausrechnen. Doch leider werden Gasballonpiloten immer weniger und die wenigen, die noch unterwegs sind, sind meist auf der Rückreise von irgendeiner Weitfahrt versackt.

Pibal-Tabellen zum downloaden

Da hilft unsere "Pibal-Velocity" Tabelle. Suchen Sie die Größe Ihres Testballons heraus, die gängigsten Ballone haben 85 bis 95 cm Umfang - wir empfehlen eine Nummer größer zu nehmen, also 90 - 100 cm Umfang. In den mittleren Spalten lesen Sie unter Steigrate + zusätzliches Gewicht 0g die zugehörige Steigrate ab. Beim 85/95er Ballon sind das 1,63 m/s, beim 90/100er Ballon 1,71 m/s. Hängen Sie an Ihren Ballon noch etwas dran, sinkt die Steigrate abhängig vom zusätzlichen Gewicht. Schauen Sie auf die Uhr, wenn Sie Ihren Testballon loslassen. Nach einer Minute hat Ihr 85/95er Ballon eine Höhe von 1,63 x 60 = 97,8m erreicht. Wenn Sie von 100m ausgehen, sollte das genau genug sein. Versetzt Ihr Ballon nach 3 Minuten kräftig zur Seite, wissen Sie dass Sie in 300m Höhe eine Windscherung erwarten können. 90/100er Ballone in einer kontrastreichen Farbe sind auch nach 10 Minuten noch zu sehen - wenn es sie nicht gerade bei 20 Knoten schon hinter den Horizont geblasen hat.

Wenn Sie international unterwegs sind, wird Ihnen die zweite Tabelle in Fuß pro Minute (fpm) statt m/s von Nutzen sein.


Was machen Sie Nachts?

Wenn Sie sich auf eine Morgenfahrt vorbereiten, ist es oft noch stockedunkel. So kontrastreich kann gar kein Ballon sein, dass Sie ihn gegen den schwarzen Himmel verfolgen könnten. Entweder Sie steigen ihm mit einem fetten Flakscheinwerfer nach oder Sie basteln sich einen Mini-Roziere.

Sie brauchen dazu Plastikbecher, Kerzen, Nadel, Faden und ein langstieliges Feuerzeug. Die Plastikbecher sind aus Styrol, fassen 200 ml und sind gemeinhin als Colabecher bekannt. Auch vom Fliegerarzt werden Ihnen diese Becher vertraut sein.

 

Das Bastelkit für die Miniroziere

Die Kerzen stammen von Johannes Heesters Geburtstagstorte, wenn da ein paar fehlen, fällt das nicht auf. Sie können sie aber auch käuflich erwerben. 

Als Faden nehmen Sie handelsüblichen Zwirn. Fahren Sie Gasballon und haben sich auf netzlosen Ballone umgestellt, haben Sie vielleicht aus besseren Zeiten noch eine Rolle Wachsmaschinenleinenzwirn zum Nähen der Reißbahn über. Der geht auch. 

Wenn sie das untere Ende einer Geburtstagstortenkerze mit dem Feuerzeug vorwärmen, können Sie diese recht gut auf dem Boden eines Colabechers anpappen. Auf der Abbildung haben wir Ihnen das schon einmal vorgemacht.

Mit Nadel und Faden basteln Sie sich jetzt noch ein "Korbgehänge", befestigen Ihren Becher an einem gefüllten Heliumballon und fertig ist Ihre Mini-Roziere!

 

   
 

Unsere Miniroziere wartet startklar in Briefingzimmer

 

Das zusätzliche Gewicht (Becher 4,1g/Kerze 1,3g) verändert natürlich die Steigraten, entsprechende Korrekturen haben wir in den Tabellen berücksichtigt.

Auch diese Testballone sind locker zehn Minuten aloft und gut mit dem Kompass zu verfolgen. Ist die Kerze heruntergebrannt, geht sie einfach aus, platzt der Ballon unzeitgemäß (die zusätzliche Wärme macht ihm nichts aus),  verlöscht die Kerze durch den Luftzug im freien Fall.  

Diese beleuchteten Testballone werden problemlos auch in Ländern mit höherem Waldbrandrisiko verwendet. Trotzdem sollten Sie gesunden Menschenverstand walten lassen und in Windrichtungen auf Tanklager, internationale Flughäfen und Gasballonstartplätze entsprechend Zurückhaltung üben.

     
 

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